MEDITATION IN MÜNCHEN

Zentrum für modernen Buddhismus

Gedanken einer Dharma Praktizierenden

Gedanken einer Dharma Praktizierenden:

Vom Abschied nehmen – mit Dharma Augen

Wenn es ums Abschied nehmen geht, ist oft ein Aspekt beinhaltet, der es uns so schwer macht: oft beinhaltet Abschied ein „für immer“.

Wir verlassen die geliebten Kollegen an der Arbeitsstelle, Kinder verlassen das heimische Nest und werden selbstständig, oder der Tod trennt uns von einem geliebten Menschen.

Ich mache mir dabei gerne Gedanken über das „was kommt danach?“…

Turbulenzen an der neuen Arbeitsstelle – oder vielleicht eine Neuorientierung, ohne reguläre Arbeit, junge Erwachsene die „ihren Weg“ finden müssen und oft zum ersten Mal mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert werden, und nach dem Tod – der Bardozustand, der mit unkontrolliertem Geist einer Achterbahn gleicht: rasanter Wechsel der Situationen – alptraumhafte Halluzinationen in schneller Abfolge.

Nun sind unsere KMC-Mäuse gegangen – sie sind mit Sack und Pack im Untergrund des Marienplatzes verschwunden. Was sie da nur machen? Vielleicht haben sie eine U-Bahn ins schöne Schwabing bestiegen und verbreiten nun dort ihre Weisheit. Vielleicht beobachten Sie auch einfach nur uns, die wir ab und an dort vorbeieilen – mal mehr, mal weniger im Dharma verhaftet.

Eines steht zumindest fest: mit ihrem friedlichen und ruhigen Geist muss ich mir zumindest keine Gedanken über ihren Verbleib machen. Egal wo, ihnen wird es immer gut gehen. Bei ihrem Abschied zeigen sie uns noch, wie man mit einem freudigen und friedlichen Geist geht: eben gänzlich ohne Anhaftung. Innerlich tief von Dharma geleitet – vorbildliche Kadampa-Mäuse eben.

Doch wie sieht es bei mir aus?

Mein Geist mag Vertrautes: Newsletter öffnen, runterscrollen und erst mal nach dem Mäusen sehen, sie belauschen – und freuen an ihren Weisheiten, die ich im Herzen tragen kann. Mein konventioneller Lieblingsgedanke: Alles Schöne soll immer so bleiben!

Dabei lehrt uns Buddha die Vergänglichkeit, die Unbeständigkeit der Dinge. Da alles meinem Geist entspringt, können sich die Erscheinungen von einem Moment zum nächsten völlig verändern – und so ist ein gültiger Gedanke, dass ich mich schon im nächsten Moment im Bardo wiederfinden kann:

Was macht mein Geist dann? Wilde, alptraumhafte Szenen werden sich abspielen; finde ich etwas, das mir lieb ist, wird es im nächsten Augenblick auch schon wieder verschwunden sein. Das wird mir Angst machen, große Angst. Mein wilder Geist wird dabei auf eine harte Probe gestellt… diese Zustände mir vorzustellen, bringt mich auf einen wunderbaren Dharma-Gedanken: Dankbarkeit!

Unsere Welt ist unbeständig, ändert sich von einer Sekunde auf die nächste. Doch Kraft meiner Unwissenheit sehe ich dies nicht. Erst mit Verwirklichung der Leerheit wir dies alles „klar“.

Bis dahin – und wer weiß wie lange das noch dauern wird – trainiere ich meinen Geist, sich das vorzustellen, lese und höre Unterweisungen über Leerheit, erinnere mich daran – wie Geshe-La uns in 8 Schritte zum Glück ermahnt – dass alle „Erscheinungen trügerisch sind und dass die Dinge, die wir normalerweise sehen, in Wirklichkeit nicht existieren“.

Gedankenmodelle, die meinem Herzen noch nicht ganz „fühlbar“ geworden sind.

Aber etwas anderes ist fühlbar für mein Herz und meinen Geist, und damit praktikabel im jedem Moment – bei gleichzeitiger Auflösung der Festigkeit der Phänomene und dem Wissen darum, dass es sich bei den Phänomenen die mir erscheinen nicht um Selbstverständlichkeiten handelt – und diese in jedem Moment enden können: Dankbarkeit für die „gewisse gefühlte Stabilität“ meiner derzeitigen – wenngleich tiefst samsarischen Erfahrungen.

Unser schönes Zentrum, das ich besuchen kann – und es ist dort wo ich es vermute.

Die Sangha-Mitglieder, die ich antreffe – wie erwartet – für wundervolle Gespräche in annehmender Atmosphäre.

Die wunderbaren Bücher von Geshe-La, die mir zugänglich sind und die so viel Weisheit offenlegen. Sie haben ihren festen Platz im Bücherregal, so dass ich jederzeit zugreifen kann.

Und die Buddhas, die unablässig ihre Segnungen fließen lassen – damit wir unseren Geist aus dem samsarischen Sumpf befreien können. Und wie sie sich in den klaren Unterweisungen, die wir von unseren Dharma-Lehrerinnen und Lehrern bekommen dürfen offenbaren.

Nur auf dieser Grundlage kann ich meinen wilden anhaftenden Affengeist umwandeln in etwas, das mich vor Abschied nehmen jeglicher Art – Tag für Tag und Leben für Leben wirklich schützt, so dass ich in Zukunft diese schmerzlichen Erfahrungen nicht mehr zu machen brauche!

Liebe Mäuse, euer schneller unerwarteter Abschied erinnert mich an die Vergänglichkeit und die Unbeständigkeit aller Phänomene in meinem Samsara – und ermöglicht es mir gleichzeitig so viel Dankbarkeit in meine tägliche Praxis zu bringen.

Dank EUCH für all eure Geschichten – ihr seid einfach WUNDERbar!

Und für uns gilt: Den gefühlten Abschiedsblues im Herzen ersetzen durch Dankbarkeit für unsere kostbare Gelegenheit, Dharma zu praktizieren. Ran an den Mäusespeck!