
Was soll das denn? Mäuse im ÜMA Zentrum?
In etwa zeitgleich mit dem neuen Schrein aus amerikanischem roten Kirschholz kamen auch drei neue Bewohnerinnen im ÜMA Zentrum an. Das heißt, sie kamen schon etwas früher, aber dann hat der gute Duft des Holzes ihnen so behagt, dass sich sich dort niedergelassen haben und – obwohl das gar nicht vorgesehen war – inzwischen die wohl ersten Mäusebuddhistinnen geworden sind. Aber wer weiß – vielleicht sind sie ja sowieso in Wirklichkeit Bodhisattvas?
Auf jeden Fall bereichern sie seitdem unseren ÜMA Newsletter mit ihren Erlebnissen, Gedanken und Einsichten. Die Newsletter Redaktion hat auf jeden Fall den wohl begründeten Verdacht, dass die meisten der regelmäßigen Leser nur wegen der Mäuse dabei bleiben. Auch gut!
Hier eine kleine Auswahl an Geschichten, die regelmäßig erneuert wird. Und wer das Neueste von unseren Mäusen hören will, der kann ja den Newsletter bestellen.
Wie unser wunderschöner Schrein
aus Sicht der Mäuse ins ÜMA kam
- ein Rückblick
Was ist denn hier los?
Erste Maus (ganz aufgeregt): Was ist denn das neuerdings für ein Krach im ÜMA?
Zweite Maus (belehrend): Ja weißt du das denn nicht? Sie schlagen die Spendentrommel.
Dritte Maus (ganz erstaunt): Wofür brauchen Buddhisten denn neuerdings Geld?
Zweite Maus (wichtig): Für den neuen Schrein. Der ist teurer als gedacht.
Erste Maus (mitleidig): Wie viel Mäuse brauchen sie denn noch?
Zweite Maus (die immer alles weiß): Fünftausend, habe ich gehört!
Dritte Maus (denkt praktisch): Und wie viele Leute haben sie?
Zweite Maus (wichtigtuerisch): Also, ich weiß, dass über hundert den ÜMA Newsletter lesen.
Dritte Maus (grübelt erst, strahlt dann übers ganze Mäusegesicht): Das schaffen sie! Abgesehen von ein paar armen Kirchenmäusen wären das ja für jeden nur fünfzig Mäuse.
Großes Frohlocken. Die Spendentrommel donnert.
Kriegsrat
Die ÜMA Mäusen sitzen ganz nah an der Spendentrommel. An den Lärm haben sie sich inzwischen fast gewöhnt. Sie halten Kriegsrat.
Erste Maus (ärgerlich): Wie lange dauert das denn noch? Dieser Krach! Ich sehne mich schon nach ein bisschen Stille. Kann gar nicht mehr meditieren.
Zweite Maus (besänftigend): Immer diese Selbstwertschätzung! Ist doch für einen guten Zweck. Bald steht da der schönste Schrein. Wir müssen nur noch eine Weile Geduld praktizieren. Höchstens bis August.
Dritte Maus (grübelt): Wenn wir nur wüssten, wie viele Mäuse – äh .. ich meine Euros – sie schon gesammelt haben.
Zweite Maus (die alles weiß): Ich glaube, von den 5000 haben sie schon 2000. Ihr Chef, sie nennen ihn Christian, will eine Spendenuhr konstruieren. Um die Spender zu motivieren. Und dann wissen auch wir genau Bescheid.
Eine Weile sind sie still und lauschen dem Dröhnen der Trommel. Dann aber …
Erste Maus (trumpft auf): Ich weiß etwas, was Ihr nicht wisst.
Zweite und Dritte Maus (aufgeregt): Wirklich? Was ist es? Erzähl!!! Los mach schon!
Erste Maus: Jetzt soll doch der ganze Schrein gebaut werden. Nicht nur der Mittelteil. Roland, der Schreiner, hat gesagt, das mit dem Mittelteil allein geht nicht. Dann wird es noch teurer. Und alle drei Teile zusammen … sieht doch auch gleich besser aus.
Dritte Maus (im Überschwang): Na, dann aber los! Dann soll meinetwegen die Spendentrommel Tag und Nacht dröhnen.
Erste Maus (gibt zu bedenken): Ob das aber auch alle ÜMA Newsletter Leser hören?
Zweite Maus (optimistisch): Nur nicht den Mut verlieren. Die Faulheit der Entmutigung können wir uns in dieser Lage nun wirklich nicht leisten. Immer positiv denken.
Und sie rufen, so laut sie können:
Hallo – Ihr alle da draußen – Ihr habt es nun gehört. Wir brauchen Euch.
Stell Euch vor, Ihr sitzt eines Tages vor einem solch schönen Schrein und denkt:
Dieses kleine Eck da ist von mir.
Besuch beim Holzhändler
Erste Maus (stöhnt): Mann, ist der Rucksack schwer! Wann sind wir endlich da?
Zweite Maus: Dauert nicht mehr lang. Dann machen wir erstmal Brotzeit.
Dritte Maus (droht der zweiten): Wehe, wenn das Holz nicht da ist.
Schweigend tippeln sie dahin.
Endlich kommen sie an. Ein Blick in die Halle und …
Alle drei durcheinander (vor Aufregung ins Bayerische verfallend): Ja, Herrschaft! So vui Holz! Aus dem Trumm soll a Schrein wern? Ja pfüat di God! Des glaub i nimmer, das des was werd. Aber schee is scho, des Kirschholz aus Amerika.
Erste Maus (stutzt): Welcher Holzstoß ist jetzt der Schrein? Das Trumm oder die Bretter?
Wer kann das wissen? Langsam beruhigen sie sich. Sie turnen überall herum.
Schnuppern hier und schnuppern da. Begutachten alles ganz genau. Und … machen erstmal Brotzeit.
Erste Maus (selig): Riecht echt lecker hier. Irgendwie nach Kirsche und Holz.
Zweite Maus (ungläubig): Und kommt von sooooo weit. Aus Amerika!
Dritte Maus: Pst! Ich hör da was. Der Schreiner kommt. Genug gesehen. Wir hauen ab.
Unterwegs macht sich jede so ihre Gedanken. Wann der Schrein wohl im ÜMA ankommt? Ob die Spenden wohl noch fließen? Ob auch Nichtbuddhisten spenden?
Wo überhaupt die Spendentrommel ist … man hört nichts mehr?! Müde kommen sie im ÜMA an. So viele offene Fragen. Aber eins ist sicher: Der Schrein kommt.
Der Schrein ist da – und die ÜMA Mäuse werden weise
Erste Maus (ungläubig):
Hast du das gesehen? Erst war da ein Schrein. Dann war da kein Schrein. Und nun ist da wieder ein Schrein?!
Zweite Maus (belehrend):
Das meinen sie doch mit „Schrein ist leer“. Der alte Schrein hat gar nicht wahrhaft existiert.
Dritte Maus (lächelt):
Und ich hab sie gesehen, die Leerheit. Einfach kein Schrein mehr da. Leerer Raum!
Erste Maus (zweifelnd): Aber jetzt ist ja wieder einer da!
Zweite Maus (geduldig):
Genau! „Leerheit ist Schrein“. Ist doch ganz einfach!
Dritte Maus (setzt noch eins drauf):
„Leerheit ist nichts anderes als Schrein und Schrein ist nichts anderes als Leerheit“.
Erste Maus (betrübt):
Ich versteh gar nichts mehr. Dann existiert der Schrein gar nicht so wie er mir erschien … äh … erscheint?!
Zweite und dritte Maus (mit großem Lachen):
Nein! Aber anders auch nicht! Komm, wir gehen zu dritt ins Retreat. Dann erklären wir es dir ganz genau. Hier ist beim Sommerfest sowieso zu viel Trubel.
Erste Maus (noch ganz im Hier und Jetzt):
Halt! Wartet! Und was ist mit den Spenden?
Zweite und dritte Maus (wollen sich mit solchen Kleinigkeiten nicht befassen):
Darüber reden wir später. Jetzt nichts wie weg.
Freundschaftlich haken sie die erste Maus unter
und ziehen ab in ihre wohlverdienten spirituellen Ferien.
Aber eins ist sicher. Sich kommen zurück. Und bleiben da.
Denn der Duft dieses Schreines hat sie endgültig überzeugt: Hier ist ihr Platz!
Und nun mal ganz von Anfang an. Hier erfahrt Ihr ...
… wie die Mäuse überhaupt ins ÜMA kamen
Die Mäuse sitzen in der Runde.
Schweigend. Tief in Gedanken versunken.
Die Erfahrungen ihrer Retreats wirken noch nach.
Vielleicht gibt’s nichts mehr zu sagen?
Auch gut!
Da unterbricht ein tiefes, schweres Seufzen der zweiten Maus die Stille.
Was ist denn? fragt die erste Maus besorgt.
Die zweite Maus schüttelt betrübt den Kopf:
Ach! Ich denke darüber nach, wie ich meine allerbeste Freundin dazu bringen kann, zu meditieren. Ich habe alles versucht. Aber sie ist durch nichts zu bewegen überhaupt nur mal eine Pfote ins ÜMA zu setzen. Je begeisterter ich bin, umso abweisender wird sie. Dabei hat sie so viele Sorgen. Meditation würde ihr helfen, alle ihre Probleme zu lösen..
Die beiden Freundinnen nicken. Das kennen sie nur zu gut.
Sie alle haben ja Freunde, Verwandte und Bekannte, die ihr Leben und Treiben
im ÜMA Zentrum beobachten und kommentieren. Mal eher skeptisch: „Bist du sicher, dass das keine Sekte ist?“ Mal mehr ironisch: „Ja, bist du immer noch nicht erleuchtet?“ Mal ein wenig neugierig: „Sag mal, glaubst du wirklich an Wiedergeburt?“
Meistens aber völlig verständnislos: „Ich glaube, ihr drei seid völlig von der Rolle!“
Die dritte Maus wendet ein:
Eigentlich müsstest gerade du das gut verstehen. Du bist doch auch nur widerstrebend, mehr aus Zuneigung zu uns, aber vor allem weil es im ÜMA so gutes Essen gibt, hier eingezogen. Wie lange hast du dich gesträubt zu meditieren?! Wie oft wolltest du abhauen? Wie oft hast du uns ausgelacht? Weißt du nicht mehr?
Die zweite Maus (lächelt):
Und ob ich das weiß. Ich habe gedacht, mir geht’s so gut, ich bin immer glücklich, wozu brauch ich die Meditation? Das ist was für Weicheier, die es im Leben zu nichts bringen, die keinen Spaß am Leben haben. Genau so habe ich gedacht.
Erste Maus (neugierig):
Und sag mal … das wollte ich immer schon wissen … was hat dann deine Meinung plötzlich geändert?
Zweite Maus (selbst noch ganz erstaunt):
Tja … ich weiß auch nicht … irgendwann habe ich einfach gesehen, was mir alles entgeht, wenn ich nicht meditiere, dass in mir, in meinem Geist, eine solche Fülle ist, dass es da soviel zu entdecken gibt, dass das Leben soviel mehr Sinn macht, alles soviel besser schmeckt, die Freude immer größer wird … keine Ahnung … Irgendwie ist das plötzlich so eine Einsicht gewesen, dass mein gewöhnliches Glück eine Falle ist, eine Sackgasse. Und dann war alles klar. Das ist der Weg, habe ich mir gedacht. Wahrscheinlich habe ich einfach einen Segen abgekriegt, hier, inmitten all der Buddhas. Da hab ich einfach „Schwein“ gehabt … äh … gutes Karma ist gereift, meine ich.
Erste Maus (nachdenklich):
Bei mir war es anders. Ich war nach einer Trennung so traurig. Alles hat keinen Sinn mehr gemacht. Ich dachte schon daran einfach Schluss zu machen. Auf einer meiner einsamen Wanderungen bin ich in diesen Innenhof gekommen und habe das warme Licht gesehen, einen besonderen Gesang gehört, der mich tief ergriffen hat, die Tür stand offen, ich bin durchgeschlüpft und plötzlich war es in mir drin ganz ruhig, ganz friedlich, so als wär ich endlich nach Hause gekommen. Und als ich um die Ecke geschaut und die Buddhas auf dem Altar gesehen habe, da war es um mich geschehen. Hier bleibe ich, habe ich gedacht. Komme was da wolle! Und so bin ich hier und bin heilfroh.
Dritte Maus (überlegt lange):
Ja und bei mir … da war es wieder anders. Ich hatte alles erreicht, was ich wollte. Alle meine Wünsche waren erfüllt. Und dann war mir plötzlich soooo langweilig! Reisen haben mich gelangweilt, Kinogehen hat mich gelangweilt, das ewige Reden und Hocken in den Kneipen hat mich gelangweilt, ich kannte das alles in- und auswendig. „Gibt es denn gar nichts Neues mehr?“ habe ich so manches Mal gedacht. Ich hatte das merkwürdige Gefühl, dass es überhaupt keinen Unterschied machen würde, ob ich jetzt oder in zehn oder zwanzig Jahren sterben würde. So langweilig war das Leben. Nur der immer wiederkehrende Gedanke an den Tod hat mich irgendwie elektrisiert. „Was kommt danach?“ habe ich mich plötzlich gefragt. Und hatte keinen Schimmer! „Also, endlich mal wieder etwas Neues, etwas Spannendes!“ dachte ich. So habe ich mich mit Philosopie beschäftigt … Nietzsche gelesen … Castaneda … nach Indien gefahren … das Übliche halt … und schließlich bin auf den Buddhismus und endlich ins ÜMA gekommen.
Die drei Freundinnen schauen sich lange an.
So gut kennen sie sich. So nahe stehen sie sich.
Aber das alles haben sie nicht voneinander gewusst.
Die dritte Maus fasst zusammen:
Also, bei jedem ist es anders. Das steht fest. Es gibt nicht den „einen“ Anlass zur Umkehr. Deshalb kann man auch keinen „überreden“. Selbst mit der besten Absicht nicht. Jeder muss von selbst drauf kommen … oder auch nicht!
Erste Maus:
So würde ich es nicht sehen. Es stimmt, bei jedem ist die Lage anders. Aber jeder hat doch diesen Punkt in sich, der ihn zum Erwachen bringen kann. Man muss ihn nur wahrnehmen. Das ist Glücksache.
Zweite Maus:
Mmmh … vielleicht sollten wir nicht immer hier auf den Kissen hocken oder uns mit unseren paar Freunden abzappeln … vielleicht sollten wir mal ausschwärmen und „da draußen“ Meditation anbieten. Wer weiß, wenn das Karma reift, dann kommen genau die, die an diesem Punkt sind, die es hören wollen … denen können wir dann einen Weg zeigen … Was meint Ihr?
mmh …. äähh … ja … nein … keine Ahnung … eher nicht … verlegene Gesichter … hochrote Wangen … blitzende Augen … vielleicht sollte man doch? … aber können wir das? … ich kann das nicht! … irgendwie peinlich … warten wir noch! … worauf denn? …
ach, lieber später … warum nicht jetzt? …
Sie sitzen wieder schweigend in der Runde.
Jede hängt ihren Gedanken nach.
Aber der Same ist gesät.
Irgendwann wird die Ernte aufgehen.
Als sie abends im Bett liegen, denken sie alle drei, jede für sich, das Gleiche:
Wir würden doch zu gerne wissen, wo bei den vielen Menschen, die hier im ÜMA ein- und ausgehen, die hier studieren, meditieren, mithelfen, singen, feiern und so begeistert sind … wo bei denen der „Knackpunkt“ war, der in ihnen die „Umkehr“ ausgelöst hat.